Sicherheit

Wie sicher die Bevölkerung sich fühlt, hängt nicht nur von der tatsächlichen Bedrohungssituation ab. Auch Berichte über Krieg und Terrorangriffe, über Naturkatastrophen, Einbrüche und Cyberkriminalität verändern die Wahrnehmung.

ERGO wollte wissen: Welche Gefahren erscheinen den Deutschen am bedrohlichsten? Welche Vorkehrungen treffen sie beispielsweise, um sich vor Einbrechern zu schützen? Wie verantwortungsvoll gehen sie mit vertraulichen Daten beim Online-Banking um?

Handeln Sie eigenverantwortlich oder wünschen sie sich einen starken Staat?

Highlights:

  • Ängste: Krieg und Terror (68 Prozent), Gewalttat (46 Prozent) und Unfall (41 Prozent).
  • Ruf nach starkem Staat (mehr Polizei 55 Prozent, schärfere Gesetze 40 Prozent).
  • 50 Prozent haben keinerlei Einbruchsicherung.
  • Mehr als jeder siebte haben eine Firewall und einen Virenscanner, aber nur jeder Dritte wechselt regelmäßig das Passwort.
  • Trotz großer Angst vor Identitätsdiebstahl (54 Prozent) tätigen 20 Prozent Banktransaktionen in öffentlichen W-LANs.

Was sind für Sie die größten Sicherheitsrisiken?

Deutsche fürchten Krieg und Terror

Einbruch in meine Wohnung / mein Haus:

34%

31%

Unfall durch Freizeitsport:

5%

8%

Unfall im Straßenverkehr:

41%

41%

Naturkatastrophe/Unwetter:

44%

36%

Datendiebstahl:

23%

27%

Terrorismus/Krieg:

72%

63%

Opfer einer Gewalttat zu werden:

50%

41%

Nichts davon:

3%

3%

  • Weiblich
  • Männlich
  • (Angabe in Prozent)

Auch wenn der Zweite Weltkrieg mehr als sieben Jahrzehnte zurückliegt, erinnern sich viele Deutsche noch immer an Kriegsopfer und zertrümmerte Innenstädte. Krieg und Terror gehören zu den fundamentalen Ängsten der Befragten, weit vor der Bedrohung durch einen Unfall im Straßenverkehr oder eine Gewalttat.

Obwohl nur drei Prozent aller Umfrageteilnehmer in Terror die häufigste Todesursache sehen und damit die Gefahr realistisch einschätzen, halten sieben von zehn Deutschen (68 Prozent) Krieg und Terror für die größten Sicherheitsrisiken. Dabei schätzen Frauen (72 Prozent) die Gefahr höher ein als Männer (63 Prozent). Neben dem Geschlecht hat auch das Bildungsniveau der Befragten erheblichen Einfluss. So stimmen mehr als 70 Prozent der Teilnehmer mit Volks- oder Hauptschulabschluss sowie Mittlerer Reife der Aussage zu, dass Krieg und Terror ein großes Sicherheitsrisiko darstellen. Unter Abiturienten und Hochschulabsolventen sind es dagegen nur gut 60 Prozent – bei Promovierten schrumpft dieser Wert auf 45 Prozent.

46 Prozent der Befragten haben Angst, Opfer einer Gewalttat zu werden. Auch hier stufen Frauen dieses Sicherheitsrisiko höher ein als Männer. Außerdem nimmt die Angst vor körperlichen Übergriffen mit steigendem Bildungsniveau und Alter ab.

41 Prozent sehen ihre Sicherheit durch einen Unfall im Straßenverkehr gefährdet. Je älter die Befragten sind, desto geringer ist die Angst vor dieser Gefahr. 44 Prozent der Teilnehmer fürchten Naturkatastrophen. Besonders hoch liegen die Werte hier bei Frauen und älteren Menschen.

Dass zu Hause eingebrochen werden könnte, halten 32 Prozent der Befragten für ein großes Sicherheitsrisiko – den Diebstahl privater Daten 25 Prozent. Einen Unfall durch Freizeitsport fürchten hingegen nur sehr wenige Befragte (sechs Prozent).

Die wichtigsten regionalen Unterschiede: In Nordrhein-Westfalen und Hessen ist die Angst vor einem Einbruch in die eigene Wohnung oder das eigene Haus am größten. In Hamburg und Bayern ist diese Sorge deutlich geringer. Mehr als jeder zweite Bremer ängstigt sich davor, Opfer einer Gewalttat zu werden – das ist mehr als in jedem anderen Bundesland.

Worin sehen Sie die größten Chancen für eine zukünftige Steigerung Ihrer Sicherheit?

Deutsche rufen nach mehr Staat

Staatlicher Zugriff auf private Geräte, Handys, Laptops etc. im Verdachtsfall:

19%

19%

16%

15%

7%

Strengere Gesetze:

46%

46%

33%

36%

19%

Senkung der Unfallzahlen durch selbstfahrende Autos:

12%

12%

17%

17%

25%

Mehr Polizei:

54%

57%

49%

59%

47%

Bessere Integration von Minderheiten/Migranten:

31%

32%

42%

35%

34%

Weniger Naturkatastrophen durch mehr Umweltbewusstsein:

39%

28%

36%

29%

27%

Mehr Überwachung:

41%

42%

31%

36%

31%

Nichts davon:

7%

8%

8%

11%

5%

  • Volks-/Hauptschule
  • Mittlere Reife / polytechnische Oberschule
  • Abitur, (Fach-)Hochschul-Studium
  • Abgeschlossenes (Fach-)Hochschul-Studium
  • Promotion
  • (Angabe nach höchstem Bildungsabschluss in Prozent)

Unsere Umfrage zeigt: Wenn es um das Thema „Sicherheit“ geht, sehen die befragten Bürger den Staat in der Verantwortung – das zeigen die favorisierten Antworten „mehr Polizei“, „strengere Gesetze“ und „mehr Überwachung“. Große Meinungsunterschiede gibt es hier zwischen den Generationen.

Insgesamt wünschen sich 55 Prozent der Befragten, dass die Polizeikräfte verstärkt werden. Die Zustimmung zu dieser Auffassung steigt mit dem Alter: Während lediglich 46 Prozent der unter 30-Jährigen dafür votieren, sind es bei den über 60-Jährigen bereits 57 Prozent. Vergleicht man die Antworten hinsichtlich des Bildungsabschlusses, fällt auf, dass Abiturienten und Promovierte dieser Aussage weniger häufig zustimmen als Teilnehmer mit Hauptschulabschluss und Mittlerer Reife.

Neben mehr Polizei fordern 40 Prozent der Befragten auch strengere Gesetze. Am meisten Zuspruch findet auch diese Aussage bei den Befragten mit Hauptschulabschluss und Mittlerer Reife (46 Prozent). Abiturienten und Hochschulabsolventen stimmen der Forderung mit Werten von 33 bzw. 36 Prozent zu. Unter Promovierten sind es nur noch 19 Prozent.

Um mehr Sicherheit zu garantieren, plädieren 38 Prozent der Umfrageteilnehmer für mehr Überwachung, z. B. durch Videokameras. Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während 43 Prozent der über 60-Jährigen dieser Maßnahme zustimmen, sind es bei den unter 30-Jährigen nur 26 Prozent.

Jeder Dritte glaubt, dass sich die Sicherheit erhöhen ließe, wenn Minderheiten und/oder Migranten besser integriert würden. Diese Ansicht vertreten fast alle Alters- und Berufsgruppen einheitlich – mit Ausnahme der 41- bis 50-Jährigen sowie der Arbeiter und Beamten.

Jeder Dritte glaubt auch, dass mehr Umweltbewusstsein vor Naturkatastrophen schützen könnte. Dem stimmen 38 Prozent der Frauen zu, unter den Männern sind es dagegen nur 26 Prozent. Auch die 31- bis 50-Jährigen sowie Promovierte zeigen sich eher skeptisch.

17 Prozent der befragten Deutschen sprechen sich dafür aus, dass der Staat bei Verdacht auf private Geräte wie Handys und Laptops zugreifen darf. 14 Prozent begrüßen selbstfahrende Autos im Straßenverkehr, um die Unfallzahlen zu senken.

Wie schützen Sie sich vor Einbrüchen?

Schutzvorrichtungen nur bei jedem Zweiten

Alarmanlage:

7%

11%

14%

12%

13%

25%

Videoüberwachung:

5%

7%

12%

10%

10%

14%

Zusätzliche Tür-/Fensterriegel:

14%

22%

26%

26%

32%

50%

Automatische Licht- und/oder Rollladensteuerung:

4%

10%

11%

13%

21%

24%

Einbau bon Haustür/Fenstern mit hoher Widerstandsklasse:

14%

18%

26%

33%

36%

50%

Einabu von einbruchhemmenden Rollladensystemen:

5%

10%

10%

14%

18%

35%

Nichts davon:

74%

57%

50%

44%

36%

27%

  • Volks-/Hauptschule
  • Mittlere Reife / polytechnische Oberschule
  • Abitur, (Fach-)Hochschul-Studium
  • Abgeschlossenes (Fach-)Hochschul-Studium
  • Promotion
  • (Angabe nach höchstem Bildungsabschluss in Prozent)

Einbrecher steigen derzeit in mehr als 150.000 Wohnungen pro Jahr ein. Der volkswirtschaftliche Schaden beträgt rund 500 Millionen Euro. Obwohl der Bund Zuschüsse für private Sicherheitsmaßnahmen bezahlt, rüsten die Deutschen nur zögerlich auf.

Zwar fürchten drei von zehn Befragten, dass auch bei ihnen eingebrochen werden könnte. Dennoch geben fünf von zehn Bürgern an, keinerlei Vorkehrungen getroffen zu haben, um sich vor diesem Risiko zu schützen. Im bundesweiten Vergleich zeigt sich, dass vor allem die Menschen in Sachsen und Sachsen-Anhalt keine Veranlassung dafür sehen – ganz im Gegenteil zu den Bewohnern Nordrhein-Westfalens.

Weiteres Ergebnis: Die Befragten in Großstädten und auf dem Land fühlen sich gleich stark bedroht. Extreme Unterschiede zeigen sich indes bei den Gruppen mit unterschiedlich hohen Haushaltsnettoeinkommen. So sind es vor allem Geringverdiener, die sich nicht vor Diebstahl in den eigenen vier Wänden schützen (können) – diese Aussage gilt für 74 Prozent der befragten Geringverdiener. Je mehr Geld im Haushalt vorhanden ist, desto höher sind auch die Bereitschaft und die finanziellen Möglichkeiten, Vorkehrungen zu ergreifen. So haben nur 27 Prozent der Besserverdiener keinerlei Schutzmaßnahmen getroffen.

Dabei setzen die befragten Deutschen als Schutzmaßnahme insbesondere auf widerstandsfähige Haustüren und Fenster. Ein Drittel gibt an, diese eingebaut zu haben. Unter Beamten ist es sogar jeder Zweite. Ebenso oft werden zusätzliche Tür- und Fensterriegel angebracht.

Mit weitem Abstand folgen einbruchhemmende Rollladensysteme, automatische Licht- und/oder Rollladensteuerung sowie Alarmanlagen. Zwischen 13 und 15 Prozent der Befragten haben eines dieser Sicherungssysteme bei sich zu Hause eingebaut. Sogar nur jeder Zehnte entscheidet sich für eine Videoüberwachung.

Wie sichern Sie Ihren privaten Computer bzw. Ihr Tablet?

Nur jeder Dritte wechselt regelmäßig seine Passwörter

Die Internetkriminalität boomt. Eine 2015 veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelte allein in Deutschland zwölf Millionen Fälle von Phishing, also versuchtem Datendiebstahl. Da die Täter häufig im Ausland sitzen oder nicht ermittelt werden können, versuchen viele Bürger, sich selbst zu schützen.

So sichern acht von zehn befragten Deutschen ihren privaten Computer mit einem Virenscanner. Mehr als sieben von zehn geben zudem an, eine Firewall zu nutzen und generell keine Anhänge in E-Mails von unbekannten Absendern zu öffnen. Mehr als die Hälfte der Bürger führt mindestens einmal im Jahr Sicherheits-Updates durch. Knapp die Hälfte gibt persönliche Daten nur auf sicherheitsverifizierten Webseiten ein. Aber: Nur etwa jeder dritte Befragte wechselt regelmäßig seine Passwörter oder liest die Nutzungsbedingungen, bevor er eine Software herunterlädt. Nur zwei Prozent der Deutschen sichern ihren privaten Computer oder ihr Tablet überhaupt nicht.

Bei all diesen Aussagen spielten Beruf, Familienstand, Einkommen, Bildung und Wohnort keine signifikante Rolle. Allein die Altersgruppe der unter 30-Jährigen führt etwas weniger Sicherheitsmaßnahmen durch als der bundesdeutsche Durchschnitt.