Risikokompetenz und
Eigenverantwortung

Wenn wir eine Straße überqueren wollen, schätzen wir die Geschwindigkeit der Autos, beziehen unsere Erfahrungswerte mit ein und treffen dann eine Entscheidung: loslaufen oder abwarten. Wie wir uns entscheiden, hängt von unserer Risikokompetenz ab - das gilt im Kleinen wie im Großen.

Bei den Schätzfragen zu den Themen Rauchen, Übergewicht, Demenz/Alzheimer, Geldanlage und Dauer der Erwerbstätigkeit erzielen die Deutschen keine guten Ergebnisse in punkto Risikokompetenz.

Wie ist es um die Eigenverantwortung bestellt? Nur wer nach Einschätzen der Risiken auch aktiv wird, kann erfolgreich mit ihnen umgehen und negative Folgen für sich abwenden.

Hier klafft bei den Umfrageteilnehmern eine Lücke zwischen Wissen und Handeln, wie die Antworten rund um das Schwerpunktthema Alter erkennen lassen.

Testen Sie Ihre Risikokompetenz!

Was schätzen Sie, wie viele Jahre lebt ein Nichtraucher im Schnitt länger als ein Raucher?

Ältere Bundesbürger schätzen besser

Bis zu 5 Jahre:

42%

36%

40%

44%

37%

47%

Mehr als 5 und bis zu 10 Jahre:

47%

49%

44%

48%

51%

44%

Mehr als 10 Jahre:

11%

16%

15%

8%

11%

9%

  • Gesamt
  • Bis 30 Jahre
  • 31 bis 40 Jahre
  • 41 bis 50 Jahre
  • 51 bis 60 Jahre
  • Älter als 60 Jahre
  • (Angabe in Prozent)

In einer handelsüblichen Zigarette sind fast 5.000 unterschiedliche Substanzen enthalten. Die meisten sind für den menschlichen Körper giftig. Beim Einatmen des Rauchs einer Zigarette werden diese Giftstoffe über die Lunge aufgenommen und im gesamten Körper verteilt. Die bekannte Folge: So gut wie jedes menschliche Organ wird durch das Rauchen geschädigt.

Wir wollten von den Befragten wissen, wie viele Jahre ein Nichtraucher im Vergleich zu einem Raucher im Schnitt länger lebt.

42 Prozent der Befragten nannten einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Tatsächlich kann der Verzicht auf regelmäßigen Tabakkonsum zu einer fünf bis zehn Jahre höheren Lebenserwartung führen.

Personen im Alter bis zu 30 Jahren unterschätzen die Gefahren durch Zigarettenkonsum deutlich seltener (36 Prozent) als Personen, die bereits über 60 Jahre alt sind (47 Prozent). Einen signifikanten Einfluss auf die (Fehl-)Einschätzung der Folgen durch das Rauchen scheint der Bildungsgrad zu haben. Fast jeder zweite befragte Bundesbürger mit einem niedrigen schulischen Abschluss neigt dazu, die Gefahren zu unterschätzen.

Wie viele von 1.000 Deutschen im Alter zwischen 70 und 80 Jahren haben Demenz/Alzheimer?

Diskrepanz zwischen den Generationen

  • Mittelwert
  • Bis 30 Jahre 337
  • 31 bis 40 Jahre 340
  • 41 bis 50 Jahre 295
  • 51 bis 60 Jahre 295
  • Älter als 60 Jahre 261
  • (Tatsächlicher Wert: 60 / abgebildet ist hier der Mittelwert)

Auch bei dieser Schätzfrage liegen viele befragte Deutsche mit ihren Angaben weit über dem tatsächlichen Wert. Während tatsächlich bei etwa 60 von 1.000 Deutschen zwischen 70 und 80 Jahren eine Demenzerkrankung diagnostiziert wurde , haben die befragten Studienteilnehmer im Durchschnitt eine Größenordnung von beinahe 300 erwartet.

Interessanterweise gibt es eine hohe Diskrepanz zwischen den Annahmen der unter 30-Jährigen (337 aus 1.000) und der über 60-Jährigen (261 aus 1.000). Die ältere Generation schätzt die tatsächliche Anzahl der Betroffenen deutlich realistischer ein.

Wie viel Geld würden Sie durch Ihre Anlage erwirtschaften?

Selbstständige wissen das am besten

  • Sparbuch Aktien
  • Männer 3,9 20
  • Frauen 3,6 11
  • Facharbeiter 3,6 14
  • Angestellter 3,6 14
  • Beamter 3,0 15
  • Selbstständig 2,6 26
  • (Abgebildet ist hier der Mittelwert)

Oberste Prämisse der Geldanlage ist es, eine möglichst hohe Rendite bei möglichst geringem Risiko zu erzielen. Dafür stehen jedem Einzelnen eine Vielzahl unterschiedlicher Anlagemöglichkeiten zur Verfügung. Eine detaillierte Analyse zu den präferierten Anlagekanälen der Deutschen bietet der ERGO Risiko-Report im Kapitel 4 zum Thema Geld.

Wir wollten von den Umfrageteilnehmern wissen, welche Rendite sie jeder dieser Anlageformen über einen Zeitraum von zehn Jahren zuschreiben. Dabei kam es abhängig vom Alter der Befragten zu deutlich unterschiedlichen Aussagen. Personen unter 30 Jahren gehen von einer mehr als doppelt so hohen Renditerate für das klassische Sparbuch aus (sieben Prozent) als Personen, die älter als 60 Jahre sind (drei Prozent). Zu ähnlich hohen Diskrepanzen kommt es zwischen Gering- und Besserverdienern. Personen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.000 Euro erwarten von der Geldanlage mit dem Sparbuch deutlich höhere Erträge (4,9 Prozent) als Personen mit einem Einkommen von über 5.000 Euro (drei Prozent).

Aus Sicht der befragten Deutschen generiert die Anlage in Aktien langfristig den höchsten Ertrag. Im Schnitt gehen die Befragten von einer Wertsteigerung von 16 Prozent aus. Interessanterweise erwarten Männer (20 Prozent) einen doppelt so hohen Ertrag wie Frauen (elf Prozent). Sehr hohe Unterschiede in der Einschätzung gibt es zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen. Während Facharbeiter eine Renditerate von 14 Prozent erwarten, gehen Selbstständige im Schnitt von einer Wertsteigerung um 26 Prozent aus.

Keiner der ermittelten Durchschnittswerte reicht an die tatsächliche Entwicklung des DAX im vergangenen Zehn-Jahres-Zeitraum heran. Von Mitte Dezember 2007 bis Mitte Dezember 2017 kletterte das Börsenbarometer um mehr als 60 Prozent.