Digitalisierung

Die Digitalisierung erfasst die Wirtschaft ebenso wie das Privatleben. Sie eröffnet einerseits große Chancen für mehr Lebensqualität und innovative Geschäftsmodelle. Andererseits gefährdet sie Millionen traditioneller Arbeitsplätze und führt dazu, dass IT-Systeme aller Art immer anfälliger für Hackerangriffe werden.

Der ERGO Risiko-Report hakt genau hier ein: Wie stehen die Deutschen digitalen Themen gegenüber? Immerhin nutzen 87 Prozent der Bundesbürger ab 10 Jahren das Internet.

Welche Errungenschaften nehmen sie als vorteilhaft wahr, welche erleichtern ihnen das Leben, welche schrecken sie eher ab oder lassen sie sogar um ihren Job bangen?

Highlights:

  • 25 Prozent befürchten, ihren Arbeitsplatz in den nächsten zehn Jahren an Roboter und Maschinen zu verlieren. Beamte hingegen sehen das nicht als Risiko (87 Prozent).
  • Gefahren durch Identitätsdiebstahl, Hackerangriffe und Datenverlust (jeweils mehr als 50 Prozent).
  • 39 Prozent der Deutschen haben Angst vor Entfremdung. Gleichzeitig finden 58 Prozent, dass ihnen digitale Medien den Kontakt zu Freunden und Familie erleichtern.
  • 87 Prozent der Befragten nutzen das Internet aktiv für Recherchen, Einkäufe, Online-Banking und zur Kontaktpflege.
  • Wenig Akzeptanz für intelligente Assistenzsysteme, z. B. für den Haushalt. Nur zwei von 10 Befragten sind für „Smart Home“.

In welchen Bereichen hat der digitale Fortschritt Ihr Leben am meisten erleichtert bzw. verbessert?

Informieren, Einkaufen, Kontakte pflegen

Kontakt zu Freunden/Familie halten:

51%

55%

47%

Bank-/Finanzgeschäfte online tätigen:

58%

53%

63%

Einkaufen im Internet:

66%

64%

68%

Reisen im Internet buchen:

39%

39%

39%

Fernsteuerung von Haushaltsgeräten:

8%

6%

10%

Mediennutzung (Musik-/Video-Streaming):

37%

36%

10%

Gesundheit/Sport:

14%

15%

14%

Job/Berufsleben:

21%

21%

20%

Informationsbeschaffung/Wissen:

68%

67%

70%

In keinem davon:

4%

4%

3%

  • Gesamt
  • Weiblich
  • Männlich
  • (Vorteile der Digitalisierung in Prozent)

Die Deutschen sind online: 87 Prozent der Bundesbürger ab 10 Jahren nutzen das Internet – das sind mehr als 65 Millionen Menschen. Sie surfen, sie spielen, sie kaufen ein, sie arbeiten, sie kommunizieren. Aber warum genau tun die Deutschen das? Welche Vorteile bringen ihnen World Wide Web und Digitalisierung?

Die meisten Befragten (68 Prozent) geben an, dass sich insbesondere die Informations- und Wissensbeschaffung durch die Digitalisierung erheblich verbessert habe. Vor allem die über 50-Jährigen und die über 60-Jährigen stimmen dieser These zu. Wie intensiv sich die Deutschen der digitalen Medien als Informationsquelle bedienen, hängt sehr stark von ihrem Bildungsgrad ab: So nutzen Menschen mit einem Volks- oder Hauptschulabschluss Internet & Co. deutlich seltener (58 Prozent) als etwa die Absolventen von Fachhochschulen und Universitäten (75 Prozent).

Auch der Bereich des Einkaufens ist stark vom digitalen Wandel betroffen. Hier geben zwei von drei Befragten an, das Internet für ihre Besorgungen zu nutzen. Besonders häufig kauft die Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen digital ein (70 Prozent), etwas seltener tun dies die über 60-Jährigen (62 Prozent). Überdurchschnittlich oft nutzen Menschen mit höherem Bildungsabschluss die Möglichkeit zum Internet-Kauf: So gehen sieben von zehn Hochschulabsolventen und sogar acht von zehn Promovierten regelmäßig online shoppen.

Eine große Rolle spielt das Internet für die Deutschen auch bei der Abwicklung von Bankgeschäften. Nahezu sechs von zehn Befragten erledigen sie online. Dies gilt besonders für die Berufsgruppe der Selbstständigen (sieben von zehn).

Worin sehen Sie die größten Gefahren durch die Digitalisierung?

Sorge vor dem Verlust der Datenkontrolle und Entfremdung

Entfremdung/Verlust von persönlichen Kontakten:

39%

45%

36%

45%

40%

Informationsüberflutung:

34%

32%

30%

29%

25%

Gefährdung meines Arbeitsplatzes:

14%

12%

9%

7%

2%

Schwierigkeiten, mit der Entwicklung Schritt zu halten:

15%

17%

20%

13%

17%

Mobbing im Internet:

34%

31%

24%

29%

24%

Identitätsdiebstahl:

56%

57%

52%

58%

51%

Verlust des Datenschutzes:

54%

54%

51%

57%

44%

Katastrophen durch Hackerangriffe:

50%

51%

51%

55%

55%

Internetsucht:

28%

21%

28%

30%

27%

In keinem davon:

3%

5%

5%

2%

3%

  • Bis 30 Jahre
  • 31 bis 40 Jahre
  • 41 bis 50 Jahre
  • 51 bis 60 Jahre
  • Älter als 60 Jahre
  • (Gefahren der Digitalisierung nach Alter in Prozent)

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zählt aktuell gut 600 Millionen Schadprogramme im Internet, jeden Tag kommen 280.000 neue dazu. Experten gehen davon aus, dass die Cyberkriminalität weiter steigt – ebenso wie die hierdurch entstehenden Schäden für Firmen und Privatpersonen.

Nach den Ergebnissen des Risiko-Reports befürchtet die Mehrheit der befragten Deutschen vor allem die drei Groß-Risiken Identitätsdiebstahl, Hackerangriffe und Verlust des Datenschutzes – mit der Folge, dass z. B. Dritte in ihrem Namen Waren im Internet kaufen (54 Prozent). Die Berufsgruppe der Beamten schreckt diese Bedrohung überdurchschnittlich stark (63 Prozent). Dennoch nutzen zwei von zehn Umfrageteilnehmern trotz der bekannten Risiken öffentliches WLAN für Bankgeschäfte.

Erst mit klarem Abstand folgt die Sorge vor der Entfremdung und dem Verlust von persönlichen Kontakten durch die Digitalisierung: Vier von zehn befragten Deutschen stimmen dieser These zu. Es fällt auf, dass sowohl die Befragten mit einem niedrigen Bildungsabschluss (Volks-/Hauptschule; 34 Prozent) als auch diejenigen mit einem hohen Bildungsabschluss (Promotion; 32 Prozent) hier deutlich weniger besorgt sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Im Vergleich haben die Menschen in der Lebensmitte (41 bis 50 Jahre) weniger Angst davor als die Vergleichsgruppen. Interessanterweise hält die Hälfte der Befragten digitale Medien gleichzeitig für ein gutes Mittel, um generell Kontakt zu Freunden und Familie zu halten. Der Schlüssel hier scheint bei der Art des Kontakts zu liegen – persönlich oder virtuell.

Im bundesweiten Vergleich sehen vor allem die Befragten in Mecklenburg-Vorpommern (50 Prozent) den Aspekt Entfremdung kritisch. Die Menschen in Nordrhein-Westfalen und Sachsen haben in diesem Punkt erheblich weniger Bedenken (35 Prozent).

Auch das Thema Mobbing im Internet ist für die Deutschen relevant. Drei von zehn Befragten geben an, hierin eine Gefahr zu sehen. Je höher der Bildungsabschluss, desto seltener wird dieses Risiko wahrgenommen: Nur zwei von zehn Deutschen mit einer Promotion halten Cyber-Mobbing für ein drängendes Problem.

Glauben Sie, dass Roboter oder Maschinen Ihren Arbeitsplatz innerhalb der nächsten 10 Jahre übernehmen werden?

Mehrheit macht sich keine Sorgen – am wenigsten die Beamten

Ja, vollständig:

3%

4%

6%

3%

2%

4%

Ja, wird überwiegend übernommen:

29%

30%

26%

23%

16%

9%

Nein:

56%

57%

58%

67%

77%

86%

Weiß nicht:

12%

9%

10%

7%

5%

1%

  • Gesamt
  • Weiblich
  • Männlich
  • (Roboter und Maschinen übernehmen in den nächsten 10 Jahren den Arbeitsplatz, Zustimmung nach Einkommen in Prozent)

Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass Menschen und Roboter in Zukunft stärker zusammenarbeiten. Jeder vierte Befragte befürchtet aber, dass er durch diese Entwicklung seinen Arbeitsplatz „überwiegend“ oder „vollständig“ verlieren wird. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen (66 Prozent) sieht diese Gefahr jedoch nicht – zumindest nicht innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Gravierende Differenzen zeigen sich bei den unterschiedlichen Berufsgruppen. Die Beamten fühlen sich in ihren Jobs bei weitem am sichersten: 86 Prozent gehen nicht davon aus, dass sie ihren Arbeitsplatz an Roboter oder Maschinen verlieren, es folgen Selbstständige (78 Prozent) und Angestellte (72 Prozent) – als am wenigsten abgesichert sehen sich die Facharbeiter (62 Prozent).

Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man die Einkommen der Befragten analysiert: 86 Prozent der Bestverdiener (mehr als 5.000 Euro netto/Monat) sind davon überzeugt, ihren Arbeitsplatz gegen Roboter und Maschinen zu behaupten – bei den Gering- und Geringstverdienern (unter 2.000 bzw. 1.000 Euro netto/Monat) glauben das nur 56 respektive 58 Prozent.

Noch drastischer sind die Unterschiede bei der Betrachtung der Bildungsabschlüsse: Die geringsten Sorgen machen sich die Universitäts-Absolventen mit Promotion (87 Prozent) und ohne Promotion (77 Prozent) – bei den Befragten mit Volks- oder Hauptschulabschluss sind es hingegen lediglich 49 Prozent.

Von welchen digitalen Entwicklungen versprechen Sie sich für Ihr eigenes Leben im Alter den größten Nutzen?

Geringe Erwartungen an Pflegeroboter, Smart Home und Telemedizin

Pflegeroboter, die mich pflegen:

20%

21%

20%

Intelligente Systeme, die mir automatisch Lebensmittel bestellen:

20%

21%

20%

Gesundheits-Tracker, die meinen Gesundheitszustand überwachen:

38%

40%

35%

Telemedizin:

21%

18%

23%

Digitale Kommunikation mit Angehörigen:

47%

49%

46%

Nichts davon:

18%

17%

19%

  • Gesamt
  • Weiblich
  • Männlich
  • (Hoffnungen an die Digitalisierung für das eigene Leben im Alter nach Geschlecht in Prozent)

Deutlich reservierter äußern sich die Befragten zum Einsatz von Robotern als Unterstützung bei Pflege und Hausarbeit: Nur zwei von zehn Deutschen erhoffen sich hier positive Effekte. Ähnlich geringe Chancen räumen sie der Telemedizin ein – also Gesprächen mit Medizinexperten via Internet oder App. Männer (23 Prozent) können sich diese digitale Unterstützung etwas eher vorstellen als Frauen (18 Prozent), Selbstständige (28 Prozent) deutlich stärker als Beamte und Facharbeiter (jeweils 15 Prozent).