Alter

Das Thema Alter ist der Schwerpunkt des ERGO Risiko-Reports 2018.

Im Industriestaat Deutschland steigt der Anteil der Über-60-Jährigen stetig: Von den 82 Millionen Menschen, die hier leben, ist heute fast ein Drittel älter als 60 Jahre, 2040 werden es fast 40 Prozent mehr sein.

Wie bereiten sich die Angehörigen der unterschiedlichen Altersgruppen auf das Alter vor? Wie sieht es mit staatlicher und privater Altersvorsorge aus? Was sind die größten Ängste und Hoffnungen fürs Alter? Und: Wollen die Deutschen ewig leben?

Highlights:

  • Fast jeder fünfte Deutsche fürchtet sich vor dem Alter, nur vier Prozent freuen sich
    (Ausnahme: Beamte mit 12 Prozent).
  • Größte Sorgen: Krankheit (65 Prozent), Unmündigkeit bzw. Abhängigkeit von Anderen (41 Prozent), Armut (40 Prozent) und Einsamkeit (28 Prozent).
  • Größte Hoffnungen: medizinischer Fortschritt (49 Prozent), mehr Freizeit (48 Prozent), mehr Zeit für Familie und Partner (43 Prozent) und weniger Stress (41 Prozent).
  • Rentenniveau sinkt weiter, sagen knapp sieben von zehn Befragten.
  • Jeder vierte Deutsche befürwortet eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge.
  • Jeder dritte Mann und 43 Prozent der Frauen können es sich nicht leisten, privat fürs Alter vorzusorgen.

Wie stehen Sie dem Älterwerden gegenüber?

Nur eine Minderheit freut sich aufs Älterwerden

Ich freue mich aufs Alter:

5%

5%

3%

4%

2%

Alt werden gehört zum Leben dazu:

49%

56%

59%

64%

78%

Ich habe Angst vorm Alter:

29%

22%

22%

16%

10%

Ich mache mir über das Alter keine Gedanken:

18%

17%

15%

15%

11%

  • Bis 30 Jahre
  • 31 bis 40 Jahre
  • 41 bis 50 Jahre
  • 51 bis 60 Jahre
  • Älter als 60 Jahre
  • (Angabe in Prozent)

In der Glücksforschung gibt es ein spannendes Phänomen: Mit zunehmendem Alter steigt die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Etwa mit Mitte vierzig, wenn der Karrieredruck nachlässt, Kinder alt genug sind, sich selbst zu versorgen, und die Finanzen gefestigt sind, geht die statistische Kurve, die das Lebensglück abbildet, nach oben – und verharrt bis ins hohe Alter auf hohem Niveau. Grund genug, sich aufs Älterwerden zu freuen?

Viele unserer Umfrageteilnehmer sind da skeptisch. Nur vier Prozent freuen sich auf das Alter. Mehr als viermal so viele (18 Prozent) haben jedoch Angst davor. 15 Prozent machen sich gar keine Gedanken. Die klare Mehrheit der Befragten (63 Prozent) sieht den Prozess des Alterns hingegen gelassen: „Alt werden gehört zum Leben dazu.“ Vor allem Männer gehen gelassen mit dem Thema um. Sie haben deutlich weniger Angst vor dem Alterungsprozess als Frauen.

Interessant ist auch der Vergleich zwischen den Altersgruppen. Unter den jüngsten Befragten findet sich ein vergleichsweise hoher Anteil von Personen, die angeben, sich vor dem Alter zu ängstigen (29 Prozent). Im Alter steigt die Akzeptanz. Nur einer von zehn Befragten im Alter über 60 äußert Ängste vorm Älterwerden.

Eine Gruppe, die sich besonders aufs Alter freut, sind Beamte. Während nur vier Prozent aller anderen Berufsgruppen – bei Selbstständigen sogar nur 3 Prozent – dieser Aussage zustimmen, sind es bei den Beamten 12 Prozent. Auch das monatlich zur Verfügung stehende Haushaltseinkommen spielt bei dieser Frage eine entscheidende Rolle. Je höher das Einkommen, desto eher freuen sich die Befragten auch aufs Älterwerden. So haben fast 30 Prozent der Geringstverdiener Angst vorm Alter, unter Bestverdienern sind es dagegen nur noch 11 Prozent.

Was fürchten die Deutschen am Alter?

Arm, krank, einsam

Immerhin 18 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, sie hätten Angst vor dem Alter. Wir wollten es genauer wissen und fragten, welche Ängste das sind.

Die Angst, im Alter an Armut zu leiden, ist in weiten Bevölkerungsteilen verbreitet. 40 Prozent der Befragten gaben an, sich vor einer unzureichenden finanziellen Versorgung im Alter zu fürchten. Das ist ein Spitzenwert, gleichauf mit der Angst, unmündig oder abhängig von anderen zu sein. 65 Prozent aller Befragten fürchten Krankheiten am meisten – ein Thema, das in der Politik komplett ausgeklammert wird, wie der letzte Wahlkampf zeigte. Obwohl ein höheres Einkommen bedeutet, dass sich die Menschen bessere medizinische Zusatzleistungen erlauben können, steigt diese Angst mit dem monatlichen Haushaltseinkommen. Auch die Furcht vor Einsamkeit ist weit verbreitet, fast jeder Dritte hat Angst davor. Dies kann ein Grund dafür sein, dass sich ein Drittel der Befragten alternative Wohnformen im Alter wie Mehrgenerationenhäuser oder Wohngemeinschaften gut vorstellen kann.

Im Alter länger arbeiten zu müssen, fürchten insgesamt 16 Prozent der befragten Deutschen. Auch hier spielt das Einkommen eine Rolle: Je mehr Geld zur Verfügung steht, desto größer ist die Angst. Das trifft allerdings nicht auf Spitzenverdiener mit monatlich mehr als 5.000 Euro netto zu.

Bei der Befragung lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den unter 30-Jährigen und den über 60-Jährigen feststellen: Fürchten sich bei den Jüngeren noch 16 Prozent vor Langeweile, sind es bei den Älteren nur vier Prozent. Ebenso verhält es sich mit der Befürchtung, rückblickend mit dem Leben unzufrieden zu sein. Ein Drittel der unter 30-Jährigen hat Angst, nicht alles im Leben zu erreichen. Mehr als 30 Lebensjahre weiter denken nur sechs Prozent so.

Keine der genannten Ängste kennen vier Prozent der Befragten.

Worauf freuen Sie sich im Alter?

Mehr Zeit für Hobbys, die Familie und weniger Stress

Mehr Freiheiten und Selbstbestimmtheit:

32%

30%

36%

23%

Mehr Zeit mit dem Partner / der Familie:

40%

47%

34%

31%

Weisheit und Lebenserfahrung:

21%

27%

24%

33%

Nicht mehr arbeiten:

38%

34%

35%

13%

Finanzielle Freiheiten:

18%

15%

24%

13%

Mehr Zeit für Hobbys und andere Tätigkeiten:

49%

56%

64%

45%

Arbeiten zu können, obwohl ich nicht mehr arbeiten muss:

22%

20%

20%

38%

Weniger Stress:

44%

47%

46%

35%

Nichts davon:

5%

3%

4%

8%

  • Arbeiter(in)/Facharbeiter(in)
  • Angestellter/Angestellte
  • Beamter/Beamtin
  • Selbstständiger/Selbstständige
  • (Aussagen nach Berufsgruppen in Prozent)

Im Jahr 2016 betrug das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland bei Männern 61,7 Jahre, bei Frauen 61,9. Viele Deutsche verbinden mit der neuen Lebensphase eine ganze Reihe von Hoffnungen.

Fast jeder zweite Befragte erhofft sich im Alter endlich mehr Zeit für Hobbys und andere Tätigkeiten. Dicht dahinter auf den Plätzen zwei und drei der am häufigsten genannten Altersfreuden folgen die Aussicht auf mehr Zeit mit der Familie oder dem Partner (43 Prozent) sowie weniger Stress (41 Prozent). Diesen Aussagen stimmen besonders Deutsche im Alter zwischen 31 und 40 Jahren zu. Interessanterweise nimmt der Wunsch, im Alter mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, in der nächsten Altersgruppe ab 41 Jahren stark ab. Auch ist die Freude bei den Geschlechtern nicht gleich groß: 46 Prozent der Frauen freuen sich auf mehr Zeit mit der Familie und dem Partner, aber nur 39 Prozent der Männer.

Mit deutlichem Abstand folgt bei jedem Dritten der Wunsch nach mehr Freiheiten und Selbstbestimmtheit. Etwa gleich viele Befragte freuen sich darauf, mit fortschreitendem Alter Weisheit und Lebenserfahrung zu erlangen (28 Prozent) bzw. nicht mehr arbeiten zu müssen (27 Prozent). Jeder Fünfte findet es positiv, arbeiten zu können, obwohl er es nicht muss. Nur 15 Prozent freuen sich darauf, dass sie im Alter finanzielle Freiheiten genießen können.

Welche der folgenden Aussagen trifft hinsichtlich Ihrer Altersvorsorge am ehesten auf Sie zu?

Viele wollen mehr vorsorgen, können es aber nicht

Knapp vier von zehn Befragten würden gerne mehr für das Alter sparen, geben aber an, es sich nicht leisten zu können. Auf Frauen trifft das deutlich häufiger zu als auf Männer (43 zu 34 Prozent). Unter geschiedenen Frauen sind es sogar 64 Prozent. 13 Prozent der befragten Deutschen sagen, dass sie bereits für das Alter vorsorgen und planen, zukünftig noch mehr zu sparen.

Dass sie ausreichend für das Alter vorsorgen, sagen immerhin knapp 30 Prozent der Befragten, mehrheitlich Männer. Während es bei den unter 30-Jährigen nur 13 Prozent sind, steigt dieser Wert mit zunehmendem Alter bis auf 39 Prozent.

19 Prozent geben aber auch an, sich aktuell nicht mit dem Thema Altersvorsorge zu beschäftigen. Das trifft vor allem auf jüngere Menschen zu. In der Gruppe der unter 30-Jährigen vertagt mehr als jeder Dritte die Auseinandersetzung mit der Thematik. Die Tatsache, dass viele Befragte gleichzeitig Lücken bei ihrer privaten Altersvorsorge erkennen, könnte ein Grund dafür sein, sich ein Eingreifen des Staates zu wünschen (25 Prozent der Befragten).